Wien, 25. März 2026

Nachbericht & Folien: KI als Game Changer – Chancen, Grenzen und neue Rollenbilder

Generative Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant zum Treiber eines tiefgreifenden Wandels in der Bau- und Planungsbranche. Welche konkreten Auswirkungen sich daraus bereits heute ergeben, welche Potenziale genutzt werden können und wo die Grenzen liegen, stand im Zentrum der vom Verband der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe (VZI) initiierten VIP-Lounge am 23. März im Wiener Künstlerhaus. Mehr als 70 Teilnehmer:innen aus Bauwirtschaft, Technologie und Wissenschaft nutzten die Veranstaltung, um sich über aktuelle Entwicklungen, konkrete Anwendungsfelder und zukünftige Anforderungen auszutauschen.

 

Impulsgeber:innen und Podiumsgäste der VZI VIP-Lounge mit Moderator und VZI-Präsident: v.l.n.r. Robert Neumayr Beelitz (Universität Innsbruck), Herbert Mühlburger (AI-Trust ZT), Vesna Glatz (ServiceNow Austria), Karl-Heinz Strauss (PORR), Martin Hehemann (Österreichische Bauzeitung, Moderation) und Thomas Hoppe (VZI-Präsident).

Neue Dynamik entlang der gesamten Wertschöpfungskette

 

Der VZI brachte dazu führende Expert:innen aus Bauwirtschaft, Technologie und Wissenschaft zusammen. Eingeleitet von VZI-Präsident Thomas Hoppe eröffneten Karl-Heinz Strauss (PORR), Herbert Mühlburger (AI-Trust ZT) und Robert Neumayr Beelitz (Universität Innsbruck) unterschiedliche Perspektiven auf den Einsatz generativer KI – von strategischen Fragestellungen über konkrete Anwendungen bis hin zu neuen Anforderungen an Ausbildung und Kompetenzen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vesna Glatz (ServiceNow Austria) wurde deutlich: KI ist weit mehr als ein weiteres digitales Tool. Sie verändert grundlegende Mechanismen der Branche – von Planungsprozessen über Entscheidungslogiken bis hin zur Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

 

Zwischen Effizienzgewinn und neuen Unsicherheiten

 

Im Zentrum stand dabei die Erkenntnis, dass KI-Systeme anders funktionieren als klassische Software: Statt deterministischer Ergebnisse liefern sie probabilistische Vorschläge. Das eröffnet neue Möglichkeiten – etwa bei der Verarbeitung großer Datenmengen, der Entwicklung von Varianten oder der Automatisierung repetitiver Aufgaben –, bringt aber auch neue Herausforderungen in Bezug auf Verlässlichkeit, Nachvollziehbarkeit und Qualität mit sich.


Dass dabei der Mensch weiterhin eine zentrale Rolle spielt, wurde mehrfach betont.  „Bauen ist ein People Business,“ bestätigte Vesna Glatz die zentrale Aussage des Vortrags von Karl-Heinz Strauss. „Und das gilt auch für KI: Sie ist kein reines Werkzeug, sondern eine Möglichkeit, unsere Denkfähigkeit zu erweitern.“

 

Rollenbilder im Wandel

 

Gerade in der praktischen Anwendung zeige sich das Potenzial besonders deutlich, betonte Karl-Heinz Strauss: „KI ist ein absoluter Game Changer, davon bin ich überzeugt. Richtig genutzt, kann KI Prozesse deutlich beschleunigen, verbessern und planbarer machen.“ Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an den Umgang mit Technologie und Prozessen. „Die Frage ist, ob Effizienz das Maß aller Dinge im Bau ist. Unsere Aufgabe wird es auch sein, die KI-Systeme zu instruieren und Prozesse zu kuratieren“, zeigte sich Robert Neumayr Beelitz überzeugt.

 

Auch die Grenzen der Technologie wurden klar angesprochen. „Gewinner:innen werden jene sein, die KI am besten einsetzen. Die Stärke generativer KI liegt heute in Analyse und Prognose – aber wo Daten fehlen oder der Kontext zu komplex ist, bleibt die Entscheidung beim Menschen“, pflichtete Herbert Mühlburger bei.

 

Open Source oder Plattformen: Echte Transformation geht über Technologie hinaus

 

Etwas uneinig waren sich die Diskussionsteilnehmer:innen in Bezug auf die Frage nach technologischen Abhängigkeiten und strategischen Weichenstellungen: Welche Rolle spielen große Plattformanbieter? Wie offen sind künftige Systeme? Und welche Bedeutung haben Open-Source-Ansätze für die Branche? Ob Open Source oder nicht, einigen konnten sich alle darauf, dass der erfolgreiche Einsatz von KI jedenfalls neue Kompetenzen erfordert – insbesondere im Umgang mit Daten, digitalen Werkzeugen und automatisierten Prozessen.

 

Das Fazit des Abends: Generative KI wird die Bau- und Planungsbranche nachhaltig verändern: technologisch, organisatorisch und kulturell. Entscheidend wird sein, die neuen Möglichkeiten mit fachlicher Expertise, Qualitätsbewusstsein und klaren Rahmenbedingungen zu verbinden.

 

Folien zum Download (PDF)

 

Bildergalerie: